Wer eine Immobilie oder andere Vermögenswerte gemeinsam mit weiteren Erben erbt, steht häufig vor der Herausforderung, eine Erbengemeinschaft aufzulösen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat hierzu eine wichtige Entscheidung getroffen: Rechtsanwaltskosten, die im Zusammenhang mit einer Teilungsversteigerung entstehen, können unter bestimmten Voraussetzungen als Nachlassverbindlichkeiten bei der Erbschaftsteuer berücksichtigt werden. Das Urteil bietet Erben zusätzliche steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten und kann die Steuerbelastung spürbar reduzieren.
Welche Nachlassverbindlichkeiten bei der Erbschaftsteuer abziehbar sind
Bei der Ermittlung der Erbschaftsteuer dürfen Erben verschiedene Nachlassverbindlichkeiten vom steuerpflichtigen Erwerb abziehen. Dadurch reduziert sich die Bemessungsgrundlage für die Erbschaftsteuer und somit häufig auch die tatsächliche Steuerlast.
Zu den abzugsfähigen Nachlassverbindlichkeiten zählen insbesondere Schulden des Erblassers, Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse sowie Kosten für die Nachlassregelung und Nachlassverteilung. Auch Aufwendungen für die Bestattung, Grabpflege und ein angemessenes Grabmal können steuerlich berücksichtigt werden.
Nachlassregelung und Nachlassverteilung als steuerlicher Kostenfaktor
Für die Abwicklung eines Nachlasses entstehen oftmals erhebliche Kosten. Das Erbschaftsteuerrecht ermöglicht deshalb den Abzug von Aufwendungen, die unmittelbar mit der Regelung, Verwaltung oder Verteilung des Nachlasses verbunden sind.
Neben den tatsächlich nachgewiesenen Kosten können Erben alternativ einen Pauschbetrag von derzeit 15.000 Euro geltend machen. Übersteigen die tatsächlichen Aufwendungen diesen Betrag, ist regelmäßig der Einzelnachweis wirtschaftlich sinnvoll.
Gerade bei größeren Nachlässen mit Immobilienvermögen, Kapitalanlagen oder mehreren Erben können die Kosten für die Nachlassabwicklung deutlich höher ausfallen.
Teilungsversteigerung bei Immobilien innerhalb einer Erbengemeinschaft
Eine Teilungsversteigerung kommt häufig dann zum Einsatz, wenn sich Miterben nicht auf die weitere Nutzung oder den Verkauf einer geerbten Immobilie einigen können. Dabei handelt es sich um eine besondere Form der Zwangsversteigerung, die der Auflösung gemeinschaftlichen Eigentums dient.
Insbesondere bei vermieteten Wohnimmobilien oder größeren Immobilienportfolios führt die Auseinandersetzung von Erbengemeinschaften nicht selten zu langwierigen rechtlichen Streitigkeiten. Die damit verbundenen Rechtsanwalts- und Gerichtskosten können erheblich sein und die wirtschaftliche Belastung der Beteiligten erhöhen.
BFH stärkt die steuerliche Absetzbarkeit von Rechtsanwaltskosten
Mit seinem aktuellen Urteil hat der Bundesfinanzhof die Rechte von Erben gestärkt und die steuerliche Behandlung von Kosten im Zusammenhang mit Teilungsversteigerungen präzisiert.
Der entschiedene Fall vor dem Bundesfinanzhof
Im zugrunde liegenden Verfahren war ein Steuerpflichtiger gemeinsam mit seinem Bruder Mitglied einer Erbengemeinschaft geworden. Zum Nachlass gehörten mehrere Mietwohngrundstücke sowie umfangreiche Wertpapierdepots im In- und Ausland.
Zwischen den Erben entwickelte sich ein jahrelanger Streit über die Aufteilung des Nachlasses. In diesem Zusammenhang entstanden dem Kläger Rechtsanwaltskosten von rund 100.000 Euro, insbesondere für die Durchführung von Teilungsversteigerungsverfahren.
Das Finanzamt erkannte diese Kosten zunächst nicht als Nachlassverbindlichkeiten an. Der Kläger setzte sich dagegen zur Wehr und erhielt schließlich vor dem BFH Recht.
Warum die Kosten steuerlich berücksichtigt werden dürfen
Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs standen die Rechtsanwaltskosten in unmittelbarem Zusammenhang mit der Erbauseinandersetzung und der Verteilung des Nachlasses. Ziel der Verfahren war die Aufhebung der Erbengemeinschaft und die Zuordnung der Nachlassgegenstände auf die einzelnen Miterben.
Da die anwaltlichen Leistungen unmittelbar der Nachlassverteilung dienten, qualifizierte der BFH die Aufwendungen als abzugsfähige Nachlassverbindlichkeiten. Besonders bedeutsam ist dabei, dass die steuerliche Berücksichtigung auch dann möglich sein kann, wenn die Erbengemeinschaft bereits vor der eigentlichen Auseinandersetzung mit der Verwaltung des Nachlasses begonnen hat.
Für Erben von Immobilienvermögen kann das Urteil erhebliche steuerliche Vorteile bringen. Wer im Rahmen einer Erbauseinandersetzung Rechtsanwalts- oder Verfahrenskosten trägt, sollte daher prüfen lassen, ob diese bei der Erbschaftsteuer geltend gemacht werden können.
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